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1773

Der Vorhang

Johann Gottfried Herder

Schlaf' hinterm Vorhang, wer da will; Ich mag ihn nicht mein ganzes Leben Und will Euch gleich zur Nachricht geben, Warum ich ihn nicht mag noch will.

Zuerst und primo denn: Die Lust, Die sich zu sehr des Dunkels freuet, Der Traum, der auch Auroren scheuet, Sind ihrer sich nur halb bewußt.

Wo Morgen- nicht noch Abendroth Noch Dämmerung uns mag erreichen, Nur schwarze Schatten um uns schleichen, Ist Phantasie der Liebe todt.

Die Muse liebt des Tages Schein; Die Grazien und Liebesgötter, Sie betten sich auf Rosenblätter; Im Freien schlafen alle Neun.

Mein Vorhang ist die Unschuld mir; Das scheue Wild kriecht in die Höhlen. Mich soll der Welthauch frei beseelen; Den zieh' ich mir zum Vorhang für.

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Der Vorhang · Johann Gottfried Herder · Poetry Cove