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1765

An mich, den Pindar-Nachahmer

Johann Gottfried Herder

Ich sah und beb'! – Hätt' ich ihn nie gesehen, Der mich mir selbst entriß, Entriß zum Sklaven mich! – Verwünscht mein Flehen, Das meine Brust zersprengt' und stieß

Hinauf gigantisch! – Warum bleibt Ihr, Götter, Nicht stets mitleidig hart! Semelens Pochen siegt: Du Zeus im Wetter! Schon glüht sie! ach, zu menschlich zart!

Sie glüht, ich blinze! – Denn im Waffenfeuer Fuhr Pindar vor mir her, Und Siegespfeile rauschten aus der Leyer Im Tritt der Harmonieen schwer.

Die trafen, blend'ten mich! – Unlöschbar brannte Sein hohes Götterbild Sich in mein Capitol, und jeder Altar nannte Den Gott, der meinen Tempel füllt

Mit fremden Kohlen; denn mein Sonnenfeuer Ist todt! – O, flöh' ich Dich, Daß tief in Wüstenei'n, wo keine Leyer Bezaubert, ich noch fühlte mich!

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