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1765

An meine künftige Gattin

Johann Gottfried Herder

O Du, die Zeus im schönsten Morgenbilde Zur Jugendgattin mir beschied, Sei, wo Du immer seist, Dir sing' ich; lächle milde, Erkenne Dich und küsse hold dies Lied!

Du Schönheitsbild, das aus der ersten Blüthe Aus Zeugenslust zur Lust entsprang, Du, die als Grazie im Aug' der Mutter glühte Und an ihr Herz mit frohem Wallen drang!

Du, die vom Himmel her die schönste Seele Zur Heirathskrone mit bekam, Bekam zur Bildnerin, die in der Herzenshöhle Das schönste Blut der Mutter um sich nahm!

Als Bildnerin, die aus den Othemzügen Der Mutter sanften Stoff genoß Und, freie Schöpfrin, sich zur Ehre voll Vergnügen Den schönsten Leib als Hülle um sich schloß,

Den Leib, schön wie sie selbst, voll freier Größe, Wie ein Gedank empfindungszart, In dessen Blick und Stirn sie sich in holder Blöße Als Königin der Minnen offenbart.

Wo wohnst Du, Göttin, daß durch edle Thaten Der Jüngling um Dich glüh', um Dich Als seine Lorbeerkrone eifre? –

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