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1773

An den Schlaf

Johann Gottfried Herder

Gott des Schlafes, Freund der Ruh, Dessen dunkle Schwingen Uns in einem süßen Nu Zu den Auen bringen,

Die ein schöner Licht erhellt, Wo in einer andern Welt Harmonieen klingen. Freund der Menschen, holder Gott!

Unser halbes Leben Ward, dem Ungemach zum Spott, Deiner Hand gegeben. Und sie herrscht im Reich der Ruh;

Purpurblumen lässest Du Auf uns niederschweben. Schönbekränzter Jüngling, sei, Sei auch mir willkommen,

Der so oft dem Sklaven treu Seine Last entnommen, Der die Fessel ihm zerschlug Und durch neuen süßen Trug

Sein Gemüth entglommen. Unsrer Hoffnung Flügel hebt Kühner sich in Träumen. Du, der sie mit Muth belebt,

Warum willst Du säumen? Komm mit Deiner süßen Macht, Uns geleitend durch die Nacht Zu den lichten Räumen,

Die, seit Psyche niedersank Aus geliebten Auen, Sie sich sehnt äonenlang Wiederum zu schauen,

Wo in reinem, süßem Ton – Augen sinkt! Ich höre schon Harmonieen klingen.

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An den Schlaf · Johann Gottfried Herder · Poetry Cove