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1773

6. Fragmente Griechischer LiederDer Sappho

Johann Gottfried Herder

Ich kann nicht, süsse Mutter, Nicht mein Gewebe weben. Mich quält ein schöner Knabe, Die böse Liebe quält mich.

Der Mond ist schon hinunter, Hinab die Siebensterne, Ist Mitternacht! – Die Stunde Vorbei schon und ich Arme

Bin noch allein. Ach, die Gliederlösende böse Liebe quält mich, Lieblichbitter singet der untrefbare Vogel, Liebster Attis, du warst mir einst so spröde,

Nur auf Andromeden dein Herz gerichtet. O Mädchenthum, o Mädchenthum, Wo gehst du hin von mir? Ich komm nicht mehr, ich komm nicht mehr,

Ich komme nie zu dir. Lieblicher Abendstern, Alles bringst du, bringest Wein, Bringst Freud' und Freunde,

Bringst der Mutter ein Bübchen, Und was bringst du mir? Komm, o Cypris, komm mit deinem Vollen goldnen Nektarbecher,

Reich' ihn diesen holden Knaben, Meinen Freunden und auch deinen. Erstorben wirst du liegen, Und niemand wird dein denken,

Niemand zu allen Zeiten: Denn nie hast du die Rosen Pieriens berühret. Unscheinbar wirst du müssen

In Todes Wohnung gehen, Und niemand wird dich ansehn Im Heer der dunkeln Schatten.

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