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1773

6.

Johann Gottfried Herder

Ein altes, blindes Weib lag krank; Die Aerzte docterten sie lang', Und jeder nahm für jeden Gang Ein Stückchen Hausrath mit zum Dank.

So ging's ein' Weile hin und her; Das Weib ward seh'nd, das Haus war leer. „Bezahlt uns nun für viele Kunst und Müh!“ „Ach!“ sagte sie,

„Trotz meines neuen Angesichts, Ihr Herrn, seh' ich jetzt – nichts.“ Der alte, blinde Mensch liegt krank, Ihr Herren doctert ihn so lang'

Mit Syllogismus-Arzenei, Metaphysik, Politik bei, Und nehmt ihm allen Saft und Kraft, Und wo und wie er etwas schafft;

Nun sieht er – Himmel, ei! – Kraft Euers neuen Angesichts, Ihr Herrn, sieht er nun – nichts!

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