Skip to content
1773

30. AbendliedDeutschFußnoten

Johann Gottfried Herder

Der Mond ist aufgegangen, Die goldnen Sternlein prangen Am Himmel hell und klar; Der Wald steht schwarz und schweiget,

Und aus den Wiesen steiget Der weiße Nebel wunderbar. Wie ist die Welt so stille, Und in der Dämmrung Hülle

So traulich und so hold! Als eine stille Kammer, Wo ihr des Tages Jammer Verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen, Und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen,

Die wir getrost belachen, Weil unsre Augen sie nicht sehn. Wir stolze Menschenkinder Sind eitel arme Sünder,

Und wissen gar nicht viel; Wir spinnen Luftgespinnste, Und suchen viele Künste, Und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, laß uns dein Heil schauen, Auf nichts Vergänglichs trauen, Nicht Eitelkeit uns freun! Laß uns einfältig werden,

Und vor dir hier auf Erden Wie Kinder fromm und frölich seyn. – paullo maiora canamus, non omnes arbusta iuvant, humilesque myricae.

Und also auf diesen Zuruf lebt wohl, meine schlechte, und jedermanns bessere Volkslieder!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
30. AbendliedDeutschFußnoten · Johann Gottfried Herder · Poetry Cove