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1859

Gruß dem Kränzchen

Luise Hensel

Es hegt ein blühender Garten Viel zarte Blümelein; Der Herr thut ihrer warten Mit Thau und Sonnenschein.

Und all' die blühenden Kronen Umzieht ein grüner Hag, Drin Nachtigallen wohnen Mit süßem Sang und Schlag.

Auch sind sie treuen Händen Zur Pflege anvertraut; Mit schützenden Geländen Sind milde sie umbaut.

Jüngst weht' aus weiter Ferne Ein herbstlich Blatt der Wind Recht zwischen die blühenden Sterne Und dreht's im Kreise lind.

Da singen die Nachtigallen Und duften die Blümelein; Wohl muß es dem Blatte gefallen: Es sieht ja den Lenz sich ernenn.

Aus Blumenkelchen leise Ein Lied nun aufwärts schwebt, Das ist – ach! dieselbe Weise, Die es gerauscht, gebebt,

Als noch das Nest der Taube Gedeckt sein junges Grün Und lieblich durch die Laube Ihm Maiensonne schien. –

Doch daß es weiter reise, Trägt es ein Hauch hinweg, Und Thränen perlen leise Auf seinen einsamen Steg.

Und nimmer wird's vergessen Das Kränzlein, in das es einst fiel, Bis dort an den Cypressen Ihm winkt sein Reiseziel.

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