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1818

Glaubenskampf

Luise Hensel

Vater! Vater! willst Du mich nicht hören? Soll mein schmerzlich Ringen ewig währen? Laß mich nicht in der Versuchung sterben; Siegen laß mich und Dein Heil erwerben.

O, mein Jesus! willst Du mich nicht kennen? Soll dies Höllenfeuer mich verbrennen? Jesus! Jesus! laß mich nicht versinken; Durft' ich doch von Deinem Blute trinken.

Heil'ger Geist! o, woll'st mich nicht verdammen, Mich nicht werfen in die ew'gen Flammen! Hast mir einst doch einen Blick gegeben; Hätt' ich sonst dem Herrn geweiht mein Leben?

Geist! erleuchte mir die rechten Stege! Leite mich, mein Fuß ist irr' und träge! Ich verzage, komm, o süßer Friede, Salbe mich, mein Haupt ist schlafesmüde.

Vater! ach, Du wirst mich doch nicht richten? Was Dein Hauch beseelte nicht vernichten? – Vater! es gescheh' Dein ew'ger Wille! Gieb, daß ich mein Herz in Demuth stille.

Milder Hirt! o, woll'st den Satan zähmen; Dein geängstet Lamm zur Hürde nehmen; Tritt zum Vater hin mit Deinen Wunden, Sprich: „Die hab' Ich auch für sie empfunden.“

Ich bin blind; Dein Geist muß mich erleuchten. Ich bin dürr; Dein Blut muß mich befeuchten. Ich bin todt; Dein Odem muß mir Leben, Geist und Liebe, Kraft und Glauben geben.

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