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1824

Abschied von der mütterlichen Freundin

Luise Hensel

Scheiden – o bitterer Kelch, bald wird meine Lippe dich kosten! Scheiden – o schmerzendes Wort, das durch die Seele mir dringt! Sichel, so schneidend und scharf, du kommst meine Blumen zu fällen. Köcher voll tödtender Pfeil', o wie erbeb' ich vor dir!

Heute noch kann meine Hand die trautesten Hände erfassen, Heute noch findet mein Blick, Mutter! Dein freundliches Aug'. Zweimal noch seh' ich mit Dir im Spätroth erglühen die Hügel, Zweimal noch schallt uns vereint frühe der Vögelein Sang.

Aber dann führt Dich Dein Pfad dahin in die neblichte Ferne, Ach, und es führt mich mein Weg einsam und trübe daher. – Aber ich denke an Dich – Du kannst mir entrissen nicht werden, – Und der Gedanke an Dich wird mir zum tröstenden Freund.

Trübt dann die Sehnsucht mein Aug', so trinkt wohl der Sand meine Zähre, Aber die Hoffnung, sie hebt muthig zum Himmel mein Herz. – Amen, o Amen, mein Gott! Hier bin ich – ich bin Dir ergeben. Gieb mir den bitteren Kelch – Vater! Du giebst ihn mir ja.

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