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1892

»Vornehm«

Karl Henckell

Freund, sieh dir die „vornehmen“ Damen, Mutter und Tochter mal an, Die wandelnden Selbstreklamen Für jeden meistbietenden Mann!

Die streichen regelmäßig Jeden Tag von zwei bis vier Straßauf, straßab, gefräßig Nach jedem „vornehmen“ Tier.

Der Tochter verschämtes Blicken Ist Buhlsucht von A bis Z, Doch wünschst du sie zu – beglücken, Stopf einen Geldsack ins Bett!

Der Mama dummschlaues Schielen Erinnert dich aus Bordell, Ins goldene Zentrum zu zielen, Ermahnt sie ihr Tochtergestell.

Ihre Kleider sind geschnitten Aus dem letzten Wiener Journal, Sie lieben diskrete Sitten Und einen konkreten Gemahl.

Sie machen die täglichen Touren So „respektabel“ wie nie, Sie halten sich niemals für Huren Und sind weit gemeiner wie sie.

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