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1892

Verdämmernde Zeiten

Karl Henckell

Graue Gespenster verdämmernder Zeiten! Schwellende Schöne der grüßenden Welt! Näher und näher seh ich sie schreiten, Die das Gewaltreich der Knechtschaft zerschellt.

Tief im Moraste des Mammons verloren Ging uns des Lebens beglückender Mut, Blühende Anmut der Liebe geboren Wird aus der Freiheit erlösender Flut.

Massen, die hungernd im Elend geschmachtet, Wimmernd im Frondienst der Not sich gemüht, Von ihren Peinigern schamlos verachtet, Welk und gebrochen, noch eh sie geblüht.

Freudeberaubt und verstoßen vom Schönen, Fern von den Höhen des Lebens verbannt, Mütter mit Töchtern und Väter mit Söhnen Eisern ins Joch der Entbehrung gespannt.

An die Maschine zeitlebens geschmiedet, Beute dem nimmersatten Koloß, Wütend umschmettert, umzischt und umsiedet, Keuchten sie dumpf, ein betrogener Troß.

Darbend erzeugten sie drohende Fülle, Weh! und von Überfluß strotzte die Welt – Aber ein übergewaltiger Wille Schneidet die Klauen dem gierigen Geld.

Hört ihr die Flüsse, die Meerwasser brausen? Seht die geschmeidigen Metalle gehäuft? Spürt die elektrischen Funken ihr sausen? Fühlt, wie der Segen des Weltalls träuft?

Hilfreiche Kräfte zermalmen den Schrecken, Fluch der Vergangenheitsarbeit verdröhnt, Wonne wird unser Schaffen erwecken, Freude, die liebliche, lächelt versöhnt.

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