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1892

Promenade

Karl Henckell

In dieses grünen Parks Revieren Fließt milder Hauch von Baum zu Baum, Die jungen Mädchen gehn spazieren, Das Leben ist ein Liebestraum.

An Tante Marlitt just ergötzt sich Die breite Bonne neben mir, Ein Greis in braunem Schurzfell setzt sich: Evviva Wurst und Lagerbier!

Mit sorgenhaft vergrilltem Blicke Spazierstockt ein Rentier daher: „Auf nichts Verlaß! Die Welt voll Tücke! Die Kurse sinken immer mehr.“

Ein Dutzend Kinder schlingt den Reigen, Der Springbrunn silberne Funken speit, Die Strahlen sprudeln, springen, steigen – O wunderschöne Jugendzeit.

Am Brückenpfeiler dort zerschellen Die Fluten, gurgelnd rauscht es hohl, Ein Weib starrt trostlos in die Wellen Und seufzt: „Wie wär' mir drunten wohl!“

Sie flieht den Strom mit leisem Stöhnen, Frech gafft ein Geck ihr ins Gesicht, Die Eisenhämmer drüben dröhnen, Der Qualm verschlingt das Sonnenlicht.

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