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1892

Neuer Bund

Karl Henckell

Nun schließt euch zusammen Zum einigen Kreis: Das Wort soll entflammen, Die Tat sei der Preis!

War doch der Geist so fremd gebunden, Die Übung ward zur welken Pflicht – Wir müssen an dem Quell gesunden, Der aus dem Grund des Lebens bricht.

Aus morschen Gemäuern Weht modrig Gebot, Kommt, laßt uns erneuern Zum Leben den Tod!

Wir opferten die Kraft dem Brauche, Der ohne zeugenden Segen war, Und sehnten uns mit jedem Hauche Nach dem, was zukunftsoffenbar.

Der Geist sprach in Zungen Voll Sehergewalt, Jetzt drängt in den Jungen Er kühn zur Gestalt.

Wie wandelte mit Sturmesdröhnen Die Welt ihr Schreckbild weit und breit! Zu Männern, Frauen, Töchtern, Söhnen Erscholl der Schicksalsruf der Zeit.

Verloren die Lehre, Verleugnet vom Sein! Wer Ohren hat, höre, Die Herzen, sie schrein:

Sie schreien nach dem neuen Buche, Das anders bindet, anders löst, Die Welt befreit vom Wahnsinnsfluche, Die Geister sucht und nicht verstößt.

Von unten nach oben Erschlossen den Schacht! Den Volksschatz gehoben Ursprünglicher Macht!

Frei sei dem muttermächtigen Triebe Zum Bund des Friedens Weg und Bahn, Die Sonne glühender Menschenliebe Erfülle siegreich Land und Plan!

So schließt euch zusammen Zum einigen Kreis, Das Wort soll entflammen, Die Tat sei der Preis!

Wir wollen nicht das Licht verscherzen, Das unsrer Führer Pfad erhellt, Und säen in der Jugend Herzen Den Samen einer höhern Welt.

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