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1892

Morgengruß

Karl Henckell

Tief getaucht in Sonnengluten Ragt des Berges Haupt empor, Lichtgewirkte Schleier fluten, Niederwallt der Silberflor.

Hoch am Nacken seh ich schwellen Süßer Trauben Perlenreihn, Aus den Brüsten seh ich quellen Milden, kraftgezeugten Wein.

Bäume schatten früchteprangend, Vollbelastet deinen Fuß, Frohen Blickes dich umfangend Biet' ich dir den Morgengruß.

Sei gegrüßt, vom Morgenstrahle Glanzumwobnes Vaterland! Leuchtest auf mit einem Male, Seit der Dämmrung Schatten schwand.

Mächtig wächst dein Haupt, erhoben Zu des Lichtes Wunderquell, Reicher Segen strömt von oben, Und die Früchte reifen schnell.

Wie der Seele bittres Leiden Deine Herrlichkeit versüßt! Zukunftsahnend laßt mich scheiden – Deutschland, Mutter, sei gegrüßt!

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