Skip to content
1892

Memento der Freiheit!

Karl Henckell

Auf, Freunde! Nicht ewig das Elend bejammern In sentimentalen Gedichten! Laßt uns mit strophischen Eisenklammern Den Bau des Rechtes errichten!

Die Tränen, die ihr in Versen vergießt, Wie sie der Protz mit Behagen genießt! Die goldgescheckte Hyäne Weint gar noch selbst eine Träne.

Wohl soll mit erschütternden Wahrheitstönen Die Not aufschrein in der Dichtung, Wohl soll im Liede das Leid aufstöhnen, Sich aufbäumen die Lebensvernichtung.

Doch nicht Lamento der ganze Mann! Stimmt das Memento der Freiheit an! Schlagt mit den Äxten der Reime In die wurmzerfressenen Bäume!

Auf, Freunde! Die mitleidselige Laute Ein Stündchen gehängt auf den Rücken! Das Weh, das mitleidlos gestaute, Muß mattes Gewimmer ersticken.

Die Trommel gewirbelt! Fanfaren ins Feld! Geschmettert den Sturm in die schläfrige Welt! Gewitter in eure Lieder! Sonst donnert die Zukunft euch nieder.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Memento der Freiheit! · Karl Henckell · Poetry Cove