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1892

Maimarkt

Karl Henckell

Heut ist Jahrmarkt. Von den Buden Wehn knallrote Taschentücher, Abgefeimte Schacherjuden Recken ihre krummen Riecher

Geiermäßig mit Geschrei In den lindengrünen Mai. Emmenthaler Käseriesen, Frischer Stiefel Lederduft ...

Staub beweißt die jungen Wiesen, Krämerdunst verdickt die Luft. Wachstuch in den grellsten Farben: „Einen Franken für den Rest!“

Blumenhüte, Rüschen, Barben – Bärbel, denk aufs Pfingstenfest! Rudolf, Baroneß Vetsera, Farbenblutdruckkatastrophen ...

Firuli und Firulera Spielt die Orgel. Spitze Zofen Mit den Kleinen fürnehm eilen, Schrupperfeen gierig weilen.

Ein Student zieht durchs Getriebe Mit der schwesterlichen Liebe. Die hat immer was nach hinten, Maiprinz Amor lädt die Flinten.

Aus des Busens Knopfsaum wedelt Rotverführerisch ein Zipfel, Da wird auch was eingefädelt, Angebändelt, liebgemädelt ...

Wollust weht der Lindenwipfel.

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