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1892

Hymnus an das Leben

Karl Henckell

Du, brausend aus ewig schwangerer Nacht Und ewig zeugendem Lichte, Aus feuchtem Brodem und Glut entfacht, Verwegenstes der Gedichte:

Geträumt von Gott, dem ursprünglichen Geist, Dem Grund des Abgrunds entquollen, Du, das da schäumt und zittert und kreist – Wie rollen

Geheimnisvoll die Rhythmen des Alls Durch deine dämonischen Fluten, Im Wirbel der Wollust, im Schrei des Metalls, In gewitterflammenden Ruten!

Im adlerschwebenden Gletschersang Der unbesieglichen Seelen, Im schattendämmernden Untergang – In Höhlen

Der schwelenden Wut und des heimlichen Leids, Im Feuer der stolzen Empörung, In blühender Rosen berückendem Reiz, In seliger Sehnsucht Erhörung.

In lachender Laune weltheiterem Laut, In Genien, der Urkraft ergeben, Was da atmet und schwingt, was da leuchtet und taut: Du Leben!

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