Skip to content
1892

Hüttenlicht1.2.

Karl Henckell

Finster der Bergrücken; Schwarzem Ungeheuer gleich, Langgelagert, Droht er herüber.

Also lastet und schiebt das Schicksal Sich dem unglückseligen Menschen Grausam näher, furchtbar nah ... Wo du auch weilest,

Wer du auch seist, Zittere nicht! An dem Himmel zünden Trostreich sich die Sterne,

Und am Abhang selber Geht ein Lichtlein Traulich fernhinblinkend auf ... Irgendwo ist eine Hütte,

Irgendwo ist eine Liebe, Gibt dem alpbedrückten Wandrer Neue Hoffnung, neuen Mut. Und wo es sei, laß uns der Hütte trauen,

Und wie es geh, schweb' uns voraus das Licht, Dann braucht vor keiner Zukunft uns zu grauen, Dann schreckt der Wandel des Geschicks uns nicht. An ihrer Hütte muß die Liebe bauen

Allmorgendlich mit treuem Angesicht, Muß jeden Abend nach dem Lichte schauen, Als schüfe sie ein lebendes Gedicht. Denn Liebe bleibt die Meisterin der Meister,

Sie schaut und baut mit Schöpferblick und -Hand An der Vollendung schön vermählter Geister. Ihr unablässig Bilden leiht Bestand Der süßen Neigung, zieht der Willkür Schranken

Und läßt das Herz nicht weichen und nicht wanken.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Hüttenlicht1.2. · Karl Henckell · Poetry Cove