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1892

Giordano Bruno

Karl Henckell

„Giordano Bruno!“ schrie ich Und war erwacht. Prasselnd barst die Luft, In Flammen stand die Kammer,

Blitzdurchleuchtet. Vom Nachttisch blendend Schien mir das jugendschöne Bild Des Märtyrers ins Auge,

Wehmütig lächelnd. In kühnen Ringeln fielen Um sein Haupt die Locken, Sinnlich keck

Und übermütig blühte Der kleine Schnurrbart, Frei lag der Hals, Und um die breite Brust

Bauschte sich voll die weite Gewandung. Glutlodernd wieder, Von wirklichen Blitzen entzündet, Empordräute mein Traumschreck.

Auf gräßlichem Scheiterhaufen Der qualmumwölkte Herrliche Held und Denker der Welt hing. Die bösen Idioten,

Verkappte Masken In langen, weißen, Schleppenden Laken Tanzten wie Orang-Utans

Kreischend im Kreise, Und die gefräßigste Bestie Hüpfte mit dem heiligen Marterholze des Herren Jesu,

Geil von Haß, Zu dem fast verhauchenden Geistes-Verbrecherfürsten, Fauchte: „Du Schwein! Du Esel!“

Und schlug ihn blutig mit himmlischem Heilskreuz. Da kehrte voll Ekel Sterbend sein Haupt zur Seite Der Gute, Große.

Todüberlegen Verschied er. Ihm war, Wie wenn er tauche in den blauen Golf

Der Sonnenheimat ... Blitze flackerten, Donner stürmten, Unter Krachen bebten des Hauses Säulen.

Riesig leuchtend Ragte das Bronzedenkmal, Umspielt von übelriechenden Giftflämmchen, Und in Millionen Trümmer zerborsten,

Tote Flüche verzischend, Drüben versank der Vatikan.

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