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1892

Französische Erwartung

Karl Henckell

Von ihrer Chaiselongue schnellt La France, die nervöse Schöne. Zur Knute greift sie, frohlockt und schellt: „En avant, meine stattlichen Söhne!

Gekommen ist der gepriesene Tag, Nun dürfen wir gar nicht knacken, Wir geben ein riesiges Festgelag Unsern lieben Herren Kosaken.

Nun tut ihnen jegliche Reverenz Und unserm Beschützer, dem Zaren, Nun soll die französische Intelligenz Mit dem Freiheits-Kantschu sich paaren.

Zujauchzt dem süßen sibirischen Kuß, Duftend nach Schmierfett und Käse, In meinem Busen der Genius Der République française.

O selige Zeit, o goldene Zeit! Zu Kronstadt ging's auf die Freite, Da ward unsre Freundschaft eingeweiht, Wir besahn uns von jeder Seite.

Wir gaben die Hand uns tiefgerührt, Champagner ward liebend getrunken, Wir haben den Bärentanz aufgeführt Und sind in Verzückung versunken.

Und die Liebe blühte, die Freundschaft schwoll, Das Verhältnis steht auf dem Gipfel, Vor der Zottelmütze baumelt toll Meiner phrygischen Mütze Zipfel.

En avant, en avant und das Marsfeld geschmückt Und die elysäischen Felder! Am liebsten würd' ich vor Wollust verrückt Und opferte all meine Gelder.

Der Liebe ist ja kein Opfer zu groß, Sie möchte alles gewähren, Mon Dieu, schon rieseln in meinen Schoß Der Sehnsucht brennende Zähren.

Die Tore auf! Wie ein Paradies Soll Paris zur Parade sich kleiden – O ma belle France, genieß, genieß – Denn morgen schon läßt man sich scheiden!“

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