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1892

Erkenntnis

Karl Henckell

Wie ist des Menschen Auge trüb verschleiert, Wenn ihm der Mensch in nackter Wahrheit naht! Der Treuste selbst scheint ihm ein Apostat, Der nur der Seele zarte Wandlung feiert.

Am schnellsten steigt im Kurs, was, abgeleiert Zur Dutzendweise wie ein Automat, Am Heiligtum des Herzens übt Verrat Und im bewährten Brustton biedermeiert.

O, wohl ist's schwer, ein Freier ohne Wanken In dir zu bleiben, wenn die Welt dich zerrt Gewaltsam auf den Schauplatz enger Schranken. Und doch! Der Ausweg bleibt dir unversperrt,

Hältst du vom Leib dir Schwätzer und Tartüffen Und läßt vom Schellenklang dich nicht verblüffen.

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Erkenntnis · Karl Henckell · Poetry Cove