Skip to content
1892

Das Ausnahmegesetz

Karl Henckell

Es steht ein Blatt beschrieben im Buch der deutschen Schmach, Das muß der Teufel lieben bis an den Jüngsten Tag.

Das brennt auf schwarzem Grunde mit roter Flammenschrift, Das schwärt wie rote Wunde mit schwarzem Schlangengift.

O hätt' ich Donnerstimme, gleich des Gewitters Macht, Ich schrie in heiligem Grimme: Fluch höllischer Niedertracht!

Ich rollte alle Geschütze blauschwarz am Himmel auf Und spiee rächende Blitze, gerichtet Lauf an Lauf.

Weh dir, du fetter Würger, du Staatsverbrecher Staat, Für hunderttausend Bürger, den Strick der Missetat!

Für hunderttausend Deutsche das hinterlistige Netz, Die Sklavenhalterpeitsche, geflochten vom Gesetz!

Du Schandgesetz für Schergen, die des Verräters Gier In Freundesmaske bergen, Spürdogge, wehe dir!

Du Folterbank der Freien, du quälst die Freiheit tot – Und doch mußt du gedeihen für unser Aufgebot ...

Es steht ein Blatt beschrieben im Buch der deutschen Schmach, Das muß der Teufel lieben bis an den Jüngsten Tag.

Sturm läutet das Gewissen. Es zittert die Geduld: Wann wird in Staub zerrissen das Riesenblatt der Schuld?

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Das Ausnahmegesetz · Karl Henckell · Poetry Cove