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1892

Dank dir, Erde!

Karl Henckell

Willst du dich öffnen, Mein übervolles Herz, Um auszuschütten Deines Segens Last?

In dieses goldnen Herbsttags Fülle Lohnt es zu schenken Mit andern Früchten

Der Seele Frucht. Gefunden hab' ich Macht in mir selbst, Fest hier auf Erden

Nun steht mein Fuß, Und alle Strudel, Drin ich gewirbelt, Sind abgeglitten

Von meinem Haupt. Nun mag mir reifen Des Lebens Saat, Die Blitz und Hagel

Doch nicht zerstört. Ich darf erwarten Der Ernte Tag: Bin vor der Zeit nicht verdorben.

Wer fühlt sich Blume, Wer fühlt sich Fackel, Duftet und glüht In Garten und Welt?

O meine unverwelkte Seele, Wes ist die Kraft, Die dich hebt und hält? Und sank auch manches

Glaubens Blendwerk Vor deinem glanzbetrogenen Blick, Dein tiefstes Fühlen Lebt unverdunkelt,

Stern deiner Sterne Ob allem Geschick. Dich reizt zum Leben Der Seele Wollust,

Sich aufzuschließen Nach freier Wahl; Du magst nicht schielen Nach fremden Augen,

Dich lockt und leitet Der eigne Strahl. Aus wilden Feuern, Die lodernd sengten,

Geglüht sind Ringe, Die dich umziehn. Du bist von kräftigen Kreisen umhütet,

Davor die Schrecken Des Daseins fliehn. In blaue Tiefe nun tauche, Mein Auge, sonnenverwandt!

Dankbar die Lippe hauche: Erde, segnende Erde, Dich lieb' ich, mütterlich Land.

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