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1892

Am Rhein ob Ragaz

Karl Henckell

Winde kühl die Höh bestreichen Ob des jungen Rheines Land, Weiße Wolkenflöckchen schleichen Müd an grauer Felsenwand.

Tal hat überwölkt sich leise, Höchste Kuppe sacht verhüllt, Senkrecht überm Strom die Kreise Zieht ein Weih. – Sag, was erfüllt

Dich mit abendwolkenweichen Stimmungen, die von den Höhn Zu den flachen, windmühlreichen Ebenen herniedergehn?

Bist auf wunderlicher Reise, Und du selbst begreifst sie kaum, Grubst dein Bett auf eigne Weise, Suchst in Windungen dir Raum.

Muß dich öder Strecken Lauf bedrücken? Bangt vor jäher Biegung dir das Herz? Traubengold wird deine Ufer schmücken, Festlich heitre Schiffe trägt dein Rücken

Durch begabte Gaue nordmeerwärts. Nebenwasser, die dein Wachstum sind, Haben Berge rechts und links zerrissen – Die sich schäumend durchs Gestein gebissen,

Die Tamina braust aus Finsternissen Keck dir zu, ein ungestümes Kind. Sahst du sie die schroffen Klüfte sprengen, Wo aus Schatten Drachenleiber drohn?

Grüne Buchenwimpel turmhoch hängen Ob der Schlucht, hellschimmernd wie ein Ton Aus des süßen Lebens Lichtgesängen ...? Ach, so fließe nur hernieder

Und erweitre deine Bahn, Machtest du doch Felsenglieder Deinem Willen untertan. Gibst dem breiten Marktverkehre

Mit dem weiten Schoß dich hin, Doch im Tiefland bis zum Meere Wahrst du deiner Quellen Sinn. Sprudeln wie am tollsten Tage,

Schäumen mög' es da und dort – Trage, Strom der Seele, trage Deine Jugend mit dir fort!

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