Skip to content
1892

22.

Karl Henckell

Es geht ein Mann mit einer goldnen Sense, Des Blick ist starr und fühllos wie Basalt, Der mäht dahin mit seiner goldnen Sense Der schönsten Blumen liebliche Gestalt.

Sein Weib am Wege füttert goldne Gänse Mit schwarzen Körnern: Elend, Not, Gewalt. Die Blumen: Liebe, Hoheit, Güte fallen, Die goldnen Gänse zeigen Raubtierkrallen ...

Und Einer hebt vom düstern Hintergrunde Sich silberleuchtend ab, der langsam naht, Sein Blick ist schmerzreich wie von tiefer Wunde Und doch so mild, wie wenn ein Gott ihn bat.

Ich harre, Herr des Lebens, jener Stunde: Die goldne Sense sinkt vor höchster Tat, Die Blumen neigen zart sich dem Befreier, Und sanfte Schwäne ziehn auf heiligem Weiher.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
22. · Karl Henckell · Poetry Cove