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1797–1856

XiI. Frieden .

Heinrich Heine

Hoch am Himmel stand die Sonne, Von weißen Wolken umwogt, Das Meer war still, Und sinnend lag ich am Steuer des Schiffes,

Träumerisch sinnend, — und halb im Wachen Und halb im Schlummer, schaute ich Christus, Den Heiland der Welt. Im wallend weißen Gewande

Wandelt' er riesengroß Ueber Land und Meer; Es ragte sein Haupt in den Himmel, Die Hände streckte er segnend

Ueber Land und Meer; Und als ein Herz in der Brust Trug er die Sonne, Die rothe, flammende Sonne,

Und das rothe, flammende Sonnenherz Goß seine Gnadenstrahlen Und sein holdes, liebseliges Licht, Erleuchtend und wärmend,

Ueber Land und Meer. Glockenklänge zogen feierlich Hin und her, zogen wie Schwäne, Am Rosenbande, das gleitende Schiff,

Und zogen es spielend an's grüne Ufer, Wo Menschen wohnen, in hochgethürmter, Ragender Stadt. O Friedenswunder! Wie still die Stadt!

Es ruhte das dumpfe Geräusch Der schwatzenden, schwülen Gewerbe, Und durch die reinen, hallenden Straßen Zogen Menschen, weißgekleidete,

Palmzweig-tragende, Und wo sich Zwei begegneten, Sahn sie sich an, verständnißinnig, Und schauernd, in Liebe und süßer Entsagung,

Küßten sie sich auf die Stirne, Und schauten hinauf Nach des Heilands Sonnenherzen, Das freudig versöhnend sein rothes Blut

Hinunterstrahlte, Und dreimalselig sprachen sie: Gelobt sey Jesu Christ!

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