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1797–1856

IiI. Sonnenuntergang .

Heinrich Heine

Die glühend rothe Sonne steigt Hinab in's weitaufschauernde, Silbergraue Weltmeer; Luftgebilde, rosig angehaucht,

Wallen ihr nach, und gegenüber, Aus herbstlich dämmernden Wolkenschleiern, Ein traurig todtblasses Antlitz, Bricht hervor der Mond,

Und hinter ihm, Lichtfünkchen, Nebelweit, schimmern die Sterne. Einst am Himmel glänzten, Ehlich vereint,

Luna, die Göttin, und Sol, der Gott, Und es wimmelten um sie her die Sterne, Die kleinen, unschuldigen Kinder. Doch böse Zungen zischelten Zwiespalt,

Und es trennte sich feindlich Das hohe, leuchtende Eh'paar. Jetzt am Tage, in einsamer Pracht, Ergeht sich dort oben der Sonnengott,

Ob seiner Herrlichkeit Angebetet und vielbesungen Von stolzen, glückgehärteten Menschen. Aber des Nachts

Am Himmel wandelt Luna, Die arme Mutter Mit ihren verwaisten Sternenkindern, Und sie glänzt in stummer Wehmuth,

Und liebende Mädchen und sanfte Dichter Weihen ihr Thränen und Lieder. Die weiche Luna! Weiblich gesinnt Liebt sie noch immer den schönen Gemahl.

Gegen Abend, zitternd und bleich, Lauscht sie hervor aus leichtem Gewölk, Und schaut nach dem Scheidenden, schmerzlich, Und möchte ihm ängstlich rufen: „Komm!

Komm! die Kinder verlangen nach Dir — “ Aber der trotzige Sonnengott, Bei dem Anblick der Gattin erglüht' er In doppeltem Purpur,

Vor Zorn und Schmerz, Und unerbittlich eilt er hinab In sein fluthenkaltes Wittwerbett.

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