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1797–1856

Ii.

Heinrich Heine

Die Mutter Gottes zu Kevlaar Trägt heut' ihr bestes Kleid; Heut' hat sie viel zu schaffen, Es kommen viel' kranke Leut'.

Die kranken Leute bringen Ihr dar, als Opferspend', Aus Wachs gebildete Glieder, Viel wächserne Füß' und Händ'.

Und wer eine Wachshand opfert, Dem heilt an der Hand die Wund'; Und wer einen Wachsfuß opfert, Dem wird der Fuß gesund.

Nach Kevlaar ging Mancher auf Krücken, Der jetzo tanzt auf dem Seil', Gar Mancher spielt jetzt die Bratsche, Dem dort kein Finger war heil.

Die Mutter nahm ein Wachslicht, Und bildete d'raus ein Herz. „bring das der Mutter Gottes, Dann heilt sie deinen Schmerz.“

Der Sohn nahm seufzend das Wachsherz Ging seufzend zum Heiligenbild; Die Thräne quillt aus dem Auge, Das Wort aus dem Herzen quillt:

„du Hochgebenedeite, Du reine Gottesmagd, Du Königin des Himmels, Dir sey mein Leid geklagt!

„ich wohnte mit meiner Mutter Zu Cöllen in der Stadt, Der Stadt, die viele hundert Kapellen und Kirchen hat.

„und neben uns wohnte Gretchen, Doch die ist todt jetzund — Marie, dir bring' ich ein Wachsherz, Heil' du meine Herzenswund'.

„heil' Du mein krankes Herze, Ich will auch spät und früh' Inbrünstiglich beten und singen: Gelobt seyst du, Marie!“

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