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1826

Caput XXVII

Heinrich Heine

„Wo des Himmels, Meister Ludwig, Habt Ihr all das tolle Zeug Aufgegabelt?“ Diese Worte Rief der Kardinal von Este,

Als er das Gedicht gelesen Von des Rolands Rasereien, Das Ariosto untertänig Seiner Eminenz gewidmet.

Ja, Varnhagen, alter Freund, Ja, ich seh um deine Lippen Fast dieselben Worte schweben, Mit demselben feinen Lächeln.

Manchmal lachst du gar im Lesen! Doch mitunter mag sich ernsthaft Deine hohe Stirne furchen, Und Erinnrung überschleicht dich: –

„Klang das nicht wie Jugendträume, Die ich träumte mit Chamisso Und Brentano und Fouqué, In den blauen Mondscheinnächten?

Ist das nicht das fromme Läuten Der verlornen Waldkapelle? Klingelt schalkhaft nicht dazwischen Die bekannte Schellenkappe?

In die Nachtigallenchöre Bricht herein der Bärenbrummbaß, Dumpf und grollend, dieser wechselt Wieder ab mit Geisterlispeln!

Wahnsinn, der sich klug gebärdet! Weisheit, welche überschnappt! Sterbeseufzer, welche plötzlich Sich verwandeln in Gelächter!...“

Ja, mein Freund, es sind die Klänge Aus der längst verschollnen Traumzeit; Nur daß oft moderne Triller Gaukeln durch den alten Grundton.

Trotz des Übermutes wirst du Hie und dort Verzagnis spüren – Deiner wohlerprobten Milde Sei empfohlen dies Gedicht!

Ach, es ist vielleicht das letzte Freie Waldlied der Romantik! In des Tages Brand- und Schlachtlärm Wird es kümmerlich verhallen.

Andre Zeiten, andre Vögel! Andre Vögel, andre Lieder! Welch ein Schnattern, wie von Gänsen, Die das Kapitol gerettet!

Welch ein Zwitschern! Das sind Spatzen, Pfennigslichtchen in den Krallen; Sie gebärden sich wie Jovis Adler mit dem Donnerkeil!

Welch ein Gurren! Turteltauben, Liebesatt, sie wollen hassen, Und hinfüro, statt der Venus. Nur Bellonas Wagen ziehen!

Welch ein Sumsen, welterschütternd! Das sind ja des Völkerfrühlings Kolossale Maienkäfer, Von Berserkerwut ergriffen!

Andre Zeiten, andre Vögel! Andre Vögel, andre Lieder! Sie gefielen mir vielleicht, Wenn ich andre Ohren hätte!

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