Skip to content
1826

Caput XXV

Heinrich Heine

Dreiunddreißig alte Weiber, Auf dem Haupt die scharlachrote Altbaskesische Kapuze, Standen an des Dorfes Eingang.

Eine drunter, wie Debora, Schlug das Tamburin und tanzte. Und sie sang dabei ein Loblied Auf Laskaro Bärentöter.

Vier gewalt'ge Männer trugen Im Triumph den toten Bären; Aufrecht saß er in dem Sessel, Wie ein kranker Badegast.

Hinterdrein, wie Anverwandte Des Verstorbnen, ging Laskaro Mit Uraka; diese grüßte Rechts und links, doch sehr verlegen.

Der Adjunkt des Maires hielt Eine Rede vor dem Rathaus, Als der Zug dorthin gelangte, Und er sprach von vielen Dingen –

Wie zum Beispiel von dem Aufschwung Der Marine, von der Presse, Von der Runkelrübenfrage, Von der Hyder der Parteisucht.

Die Verdienste Ludwig Philipps Reichlich auseinandersetzend, Ging er über zu dem Bären Und der Großtat des Laskaro.

„Du, Laskaro!“ – rief der Redner, Und er wischte sich den Schweiß ab Mit der trikoloren Schärpe – „Du, Laskaro! du, Laskaro!

Der du Frankreich und Hispanien Von dem Atta Troll befreit hast, Du bist beider Länder Held, Pyrenäen-Lafayette!“

Als Laskaro solchermaßen Offiziell sich rühmen hörte, Lachte er vergnügt im Barte Und errötete vor Freude,

Und in abgebrochnen Lauten, Die sich seltsam überstürzten, Hat er seinen Dank gestottert Für die große, große Ehre!

Mit Verwundrung blickte jeder Auf das unerhörte Schauspiel, Und geheimnisvoll und ängstlich Murmelten die alten Weiber:

„Der Laskaro hat gelacht! Der Laskaro hat errötet! Der Laskaro hat gesprochen! Er, der tote Sohn der Hexe!“ –

Selb'gen Tags ward ausgebälgt Atta Troll und ward versteigert Seine Haut. Für hundert Franken Hat ein Kürschner sie erstanden.

Wunderschön staffierte dieser Und verbrämte sie mit Scharlach, Und verhandelte sie weiter Für das Doppelte des Preises.

Erst aus dritter Hand bekam sie Juliette, und in ihrem Schlafgemache zu Paris Liegt sie vor dem Bett als Fußdeck'.

Oh, wie oft, mit bloßen Füßen, Stand ich nachts auf dieser irdisch Braunen Hülle meines Helden, Auf der Haut des Atta Troll!

Und von Wehmut tief ergriffen, Dacht ich dann an Schillers Worte: Was im Lied soll ewig leben, Muß im Leben untergehn!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Caput XXV · Heinrich Heine · Poetry Cove