Ist ein Tal gleich einer Gasse, Geisterhohlweg ist der Name; Schroffe Felsen ragen schwindlicht Hoch empor zu jeder Seite.
Dort, am schaurig steilsten Abhang, Lugt ins Tal, wie eine Warte, Der Uraka keckes Häuslein; Dorthin folgt ich dem Laskaro.
Mit der Mutter hielt er Rat In geheimster Zeichensprache, Wie der Atta Troll gelockt Und getötet werden könne.
Denn wir hatten seine Fährte Gut erspürt. Entrinnen konnt er Uns nicht mehr. Gezählt sind deine Lebenstage, Atta Troll!
Ob die Alte, die Uraka, Wirklich eine ausgezeichnet Große Hexe, wie die Leute In den Pyrenä'n behaupten,
Will ich nimmermehr entscheiden. Soviel weiß ich, daß ihr Äußres Sehr verdächtig. Sehr verdächtig Triefen ihre roten Augen.
Bös und schielend ist der Blick; Und es heißt, den armen Kühen, Die sie anblickt, trockne plötzlich In der Euter alle Milch.
Man versichert gar, sie habe, Streichelnd mit den dürren Händen, Manches fette Schwein getötet Und sogar die stärksten Ochsen.
Solcherlei Verbrechens wurde Sie zuweilen auch verklagt Bei dem Friedensrichter. Aber Dieser war ein Voltairianer,
Ein modernes, flaches Weltkind, Ohne Tiefsinn, ohne Glauben, Und die Kläger wurden skeptisch, Fast verhöhnend, abgewiesen.
Offiziell treibt die Uraka Ein Geschäft, das sehr honett; Denn sie handelt mit Bergkräutern Und mit ausgestopften Vögeln.
Voll von solchen Naturalien War die Hütte. Schrecklich rochen Bilsenkraut und Kuckucksblumen, Pissewurz und Totenflieder.
Eine Kollektion von Geiern War vortrefflich aufgestellt, Mit den ausgestreckten Flügeln Und den ungeheuren Schnäbeln.
War's der Duft der tollen Pflanzen, Der betäubend mir zu Kopf stieg? Wundersam ward mir zumute Bei dem Anblick dieser Vögel.
Sind vielleicht verwünschte Menschen, Die durch Zauberkunst in diesem Unglücksel'gen, ausgestopften Vogelzustand sich befinden.
Sehn mich an so starr und leidend, Und zugleich so ungeduldig; Manchmal scheinen sie auch scheu Nach der Hexe hinzuschielen.
Diese aber, die Uraka, Kauert neben ihrem Sohne, Dem Laskaro, am Kamine. Kochen Blei und gießen Kugeln.
Gießen jene Schicksalskugel, Die den Atta Troll getötet. Wie die Flammen hastig zuckten Über das Gesicht der Hexe!
Sie bewegt die dünnen Lippen Unaufhörlich, aber lautlos. Murmelt sie den Drudensegen, Daß der Kugelguß gedeihe?
Manchmal kichert sie und nickt sie Ihrem Sohne. Aber dieser Fördert sein Geschäft so ernsthaft Und so schweigsam wie der Tod. –
Schwül bedrückt von Schauernissen, Ging ich, freie Luft zu schöpfen, An das Fenster, und ich schaute Dort hinab ins weite Tal.
Was ich sah zu jener Stunde – Zwischen Mitternacht und eins –, Werd ich treu und hübsch berichten In den folgenden Kapiteln.
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