Rings umragt von dunklen Bergen, Die sich trotzig übergipfeln, Und von wilden Wasserstürzen Eingelullet, wie ein Traumbild,
Liegt im Tal das elegante Cauterets. Die weißen Häuschen Mit Balkonen; schöne Damen Stehn darauf und lachen herzlich.
Herzlich lachend schaun sie nieder Auf den wimmelnd bunten Marktplatz, Wo da tanzen Bär und Bärin Bei des Dudelsackes Klängen.
Atta Troll und seine Gattin, Die geheißen schwarze Mumma, Sind die Tänzer, und es jubeln Vor Bewundrung die Baskesen.
Steif und ernsthaft, mit Grandezza, Tanzt der edle Atta Troll, Doch der zott'gen Ehehälfte Fehlt die Würde, fehlt der Anstand.
Ja, es will mich schier bedünken, Daß sie manchmal cancaniere, Und gemütlos frechen Steißwurfs An die Grand'-Chaumière erinnre.
Auch der wackre Bärenführer, Der sie an der Kette leitet, Scheint die Immoralität Ihres Tanzes zu bemerken.
Und er langt ihr manchmal über Ein'ge Hiebe mit der Peitsche, Und die schwarze Mumma heult dann, Daß die Berge widerhallen.
Dieser Bärenführer trägt Sechs Madonnen auf dem Spitzhut, Die sein Haupt vor Feindeskugeln Oder Läusen schützen sollen.
Über seine Schulter hängt Eine bunte Altardecke, Die als Mantel sich gebärdet; Drunter lauscht Pistol und Messer.
War ein Mönch in seiner Jugend, Später ward er Räuberhauptmann; Beides zu verein'gen, nahm er Endlich Dienste bei Don Carlos.
Als Don Carlos fliehen mußte Mit der ganzen Tafelrunde, Und die meisten Paladine Nach honettem Handwerk griffen –
(Herr Schnapphahnski wurde Autor) –, Da ward unser Glaubensritter Bärenführer, zog durchs Land Mit dem Atta Troll und Mumma.
Und er läßt die beiden tanzen Vor dem Volke, auf den Märkten; – Auf dem Markt von Cauterets Tanzt gefesselt Atta Troll!
Atta Troll, der einst gehauset, Wie ein stolzer Fürst der Wildnis, Auf den freien Bergeshöhen, Tanzt im Tal vor Menschenpöbel!
Und sogar für schnödes Geld Muß er tanzen, er, der weiland, In des Schreckens Majestät, Sich so welterhaben fühlte!
Denkt er seiner Jugendtage, Der verlornen Waldesherrschaft, Dann erbrummen dunkle Laute Aus der Seele Atta Trolls;
Finster schaut er wie ein schwarzer Freiligräthscher Mohrenfürst, Und wie dieser schlecht getrommelt, Also tanzt er schlecht vor Ingrimm.
Doch statt Mitgefühl erregt er Nur Gelächter. Selbst Juliette Lacht herunter vom Balkone Ob den Sprüngen der Verzweiflung. – –
Juliette hat im Busen Kein Gemüt, sie ist Französin, Lebt nach außen; doch ihr Äußres Ist entzückend, ist bezaubernd.
Ihre Blicke sind ein süßes Strahlennetz, in dessen Maschen Unser Herz, gleich einem Fischlein, Sich verfängt und zärtlich zappelt.
Cookies on Poetry Cove