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1826

5

Heinrich Heine

Ich sah sie lachen, sah sie lächeln, Ich sah sie ganz zugrunde gehn; Ich hört ihr Weinen und ihr Röcheln, Und habe ruhig zugesehn.

Leidtragend folgt ich ihren Särgen, Und bis zum Kirchhof ging ich mit; Hernach, ich will es nicht verbergen, Speist ich zu Mittag mit App'tit.

Doch jetzt auf einmal mit Betrübnis Denk ich der längstverstorbnen Schar; Wie lodernd plötzliche Verliebnis Stürmt's auf im Herzen wunderbar!

Besonders sind es Julchens Tränen, Die im Gedächtnis rinnen mir; Die Wehmut wird zu wildem Sehnen, Und Tag und Nacht ruf ich nach ihr! – –

Oft kommt zu mir die tote Blume Im Fiebertraum; alsdann zumut' Ist mir, als böte sie postume Gewährung meiner Liebesglut.

O zärtliches Phantom, umschließe Mich fest und fester, deinen Mund, Drück ihn auf meinen Mund – versüße Die Bitternis der letzten Stund'!

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