Skip to content
1826

3.Zwei Brüder

Heinrich Heine

Oben auf der Bergesspitze Liegt das Schloß in Nacht gehüllt, Doch im Tale leuchten Blitze, Helle Schwerter klirren wild.

Das sind Brüder, die dort fechten Grimmen Zweikampf, wutentbrannt. Sprich, warum die Brüder rechten Mit dem Schwerte in der Hand?

Gräfin Lauras Augenfunken Zündeten den Brüderstreit. Beide glühen liebestrunken Für die adlig holde Maid.

Welchem aber von den beiden Wendet sich ihr Herze zu? Kein Ergrübeln kann's entscheiden – Schwert heraus, entscheide du!

Und sie fechten kühn verwegen, Hieb' auf Hiebe niederkracht's. Hütet euch, ihr wilden Degen, Böses Blendwerk schleicht des Nachts.

Wehe! Wehe! blut'ge Brüder! Wehe! Wehe! blut'ges Tal! Beide Kämpfer stürzen nieder, Einer in des andern Stahl. –

Viel Jahrhunderte verwehen, Viel Geschlechter deckt das Grab; Traurig von des Berges Höhen Schaut das öde Schloß herab.

Aber nachts, im Talesgrunde, Wandelt's heimlich, wunderbar; Wenn da kommt die zwölfte Stunde, Kämpfet dort das Brüderpaar.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
3.Zwei Brüder · Heinrich Heine · Poetry Cove