Skip to content
1826

2.Gewitter

Heinrich Heine

Dumpf liegt auf dem Meer das Gewitter, Und durch die schwarze Wolkenwand Zuckt der zackige Wetterstrahl, Rasch aufleuchtend und rasch verschwindend,

Wie ein Witz aus dem Haupte Kronions. Über das wüste, wogende Wasser Weithin rollen die Donner Und springen die weißen Wellenrosse,

Die Boreas selber gezeugt Mit des Erichthons reizenden Stuten, Und es flattert ängstlich das Seegevögel, Wie Schattenleichen am Styx,

Die Charon abwies vom nächtlichen Kahn. Armes, lustiges Schifflein, Das dort dahintanzt den schlimmsten Tanz! Äolus schickt ihm die flinksten Gesellen,

Die wild aufspielen zum fröhlichen Reigen; Der eine pfeift, der andre bläst, Der dritte streicht den dumpfen Brummbaß – Und der schwankende Seemann steht am Steuer

Und schaut beständig nach der Bussole, Der zitternden Seele des Schiffes, Und hebt die Hände flehend zum Himmel: „O rette mich, Kastor, reisiger Held,

Und du, Kämpfer der Faust, Polydeukes!“

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
2.Gewitter · Heinrich Heine · Poetry Cove