Skip to content
1836

Nächtlicher Gruß

Friedrich Hebbel

In dieser dunklen Stunde Der rings ergoßnen Nacht Hab' ich bei Euch die Runde Zu Gruß und Kuß gemacht.

In eines Jeden Hause Sprach ich getreulich vor, Bis in des Letzten Klause Mein Geist sich ganz verlor.

Nun seid ihr längst versunken In Schlaf und tiefen Traum, Und schwingt Euch ahnungstrunken Hoch über Zeit und Raum.

Leicht glaubt Ihr zu erstreben, Was nie die Erde bot, Und habt so doppelt Leben. Für einen halben Tod.

Ich aber habe leise Der Pforte mich genaht, Die in die ew'gen Kreise Euch aufgethan den Pfad,

Und all' die stumme Trauer, Die mir das Herz noch schwellt, Umschwebt als letzter Schauer Euch kalt aus dieser Welt.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Nächtlicher Gruß · Friedrich Hebbel · Poetry Cove