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1838

Frühlingslied

Friedrich Hebbel

Ringt um des Jubels Krone! Die Sonne ruft zum Strauß Vom blauen Himmelsraume, Auch schaut aus jedem Baume

Der Frühling schon heraus. Ringt um des Jubels Krone! Das Veilchen ist schon da Und sendet seine Düfte

Verschwendrisch in die Lüfte Und würzt sie fern und nah'. Ringt um des Jubels Krone! Die Lerche trinkt den Hauch

Und schmettert ihre Lieder In frohem Dank hernieder Und weckt den Menschen auch. Ringt um des Jubels Krone!

Das Mägdlein, das ihr lauscht, Erglüht im tiefsten Herzen Und fühlt die süßen Schmerzen, Die sie noch nie berauscht.

Ringt um des Jubels Krone! Der Jüngling ahnt sein Glück, Und als er ihr mit Beben Den ersten Kuß gegeben,

Giebt sie ihn halb zurück. Ringt um des Jubels Krone! Ihr seht, daß jeder Lust Ein Funke sich verbündet,

An dem sie weiter zündet In einer fremden Brust. Ringt um des Jubels Krone! Dieß ist das Weltgebot.

Die trunkenste der Seelen Wird Gott sich selbst vermählen Durch sel'gen Freudentod.

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