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Winterlied/ Zu dem ersten Monat deß JennersFußnoten

Georg Philipp Harsdörffer

Wir leben in der neuen Zeit die alls mit Schnee bedecket: es trägt das Feld ein graues Kleid das Krafft und Safft erstecket.

Frost Kält und Eiß macht alles weiß der Regen wird zu Schrollen. Es ligt zu Feld

die harte Kält; der Reiff wird gleich der Wollen. Was bringt ja vielmehr nimmt uns nicht der Janus weg für Gaben?

Mit dem gezweyten Angesicht kan er nichts sonders haben. Doch wird gesucht der Dörner Frucht:

Die Hiefen gleich Korallen bringt nun heran der arme Mann dem Reichen zu Gefallen.

Obgleich der guldne Sonnen-Strahl entfernet abgewichen ist doch der kalten Nächte Zahl mehlich herbey geschlichen:

Der Wassermann hebt wieder an die Täge zu ersetzen indem sich hat

das Sonnen-Rad gewendt uns zu ergetzen. Was bildet diese Winterszeit? Anfechtung Angst und Leiden.

Doch ist der Hoffnungs-Trost nicht weit der niemals pflegt zu scheiden. Es wird der Lentz auch dieser Grentz

der Schwalben Bottschaft senden. Die Heroldin sagt: Wart dorthin es wird sich alles enden.

Inzwischen traget nur Gedult: thut Buß in Staub und Aschen. Wir wollen uns durch Gottes Huld schneeweiß und reinlich waschen.

Die rohte Sünd acht sich geschwind wie zärtlich reine Wollen. Das Hertz wird neu

durch wahre Reu die wir ergreiffen sollen. Wir dancken dir Gott allezeit der du stets ob uns wachest;

der du die frühe Sommer-Freud und auch den Winter machest. Du ruffst dem Schnee und ruffst dem Klee;

alls muß nach Ordnung gehen: So hört nicht auf der Wechsel-Lauff weil diese Welt wird stehen!

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