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1632

Morgenlied

Georg Philipp Harsdörffer

Eröffne dich, O blöder Mund, Dem Herren Lob zu singen, Der uns in dieser Morgenstund Den Tag wird wieder bringen

Und seiner Sonnen güldnen Glantz Lässt über uns aufgehen: Ihr Lauf gleicht einem Himmelskrantz, Der sich pflegt um zu drehen.

Ach daß doch in dem Sonnenschein Des Herren Nam vnd Ehre Möcht deutlich eingeschrieben seyn Dem Menschen Volck zur Lehre,

Ja daß ein jeder Sonnen Stral, Beleuchtend alle Grentzen, Das „Heilig, Heilig“ ohne Zahl Macht' in der Welt ergläntzen.

Ich wünsche, daß auch bey der Nacht In jedem Silber-Sterne Des Höchsten Nam und seine Macht Hellleuchtet' in die Ferne,

Ja daß der Mond mit nasser trifft In jedem Tröpflein Regen Beglaubte solche Himmelsschrifft Und sein Lob' aller wegen.

O Sonne der Gerechtigkeit, Geh' auf in unsren Hertzen! O Glantz deß Vatters Herrlichkeit, O helle Himmelkertzen,

Erleucht uns mit dem Gnadenschein, Der unsren Sinn erneue, Daß uns deß Glaubens Frucht allein Und nicht die Welt erfreue.

Führ uns, O GOTT, den gantzen Tag Auf dir beliebtem Pfade, Daß wir ohn alle Seelen-Plag Verspühren deine Gnade

Und deine Barmhertzigkeit Erneu sich alle Morgen, Auf daß wir leben allezeit Gottselig ohne Sorgen!

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