Wir wollen uns erfreuen
ob dieser Majenzeit:
da sich pflegt zu verneuen
der Erden grünes Kleid.
Die Sonn in Zwilling stralet:
die Schönheit der Natur
mit guldnen Flammen malet
der freyen Felder Flur.
Es muß dargegen weichen
deß Salomonis Kleid;
der Blume kan nicht gleichen
deß Königs Herrlichkeit.
Die reine Lilje stehet
von aller Sünden frey:
der König sich vergehet
mit viel Abgötterey.
Indem die Westen schertzen
mit diesem Blumen-Plan
vergleich ich mit dem Hertzen
die rohte Tulipan:
So bald sie nur genossen
den höchsten Sonnenschein
so wird sie aufgeschlossen
wie frommer Hertzen Schrein.
Es hat der Nord beraubet
den falben Rosenstock;
den nun der Maj belaubet
mit einem Dörner-Rock
der weißlich-roht gestücket
mit mancher Rosen-Blüt:
Der Hoffnungs-Trost erquicket
wann wir deß Jammers müd.
Der angenehme Majen
erwecket neue Lieb
daß Thier und Menschen freien
aus holdem Gegentrieb.
Deß Höchsten reicher Segen
hat die Geschöpff ernehrt
und hat sie allerwegen
zu unsrem Dienst vermehrt.
Was webet und was schwebet
befeucht der Majentau
mit neuer Kraft belebet
und schmeltzet in der Au:
Also wird uns verneuen
an jenem jüngsten Tag
Gott! der pflegt zu erfreuen
in aller Angst und Plag.