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1632

Abendlied

Georg Philipp Harsdörffer

Es hat nunmehr die Abendröt Den Purpur ausgebreitet, In dem die Sonne Meerwarts geht Und lange Schatten leitet.

Die Sonn, ein Bild der Ewigkeit, Tagt wiederumb zur MorgenZeit Und machet uns bedencken, Daß unsre Seel' auch ewigt sey

Wie Gott, der sie geschaffen frey, Ohn Ziel und Zahl-beschrencken. Gleich wie der guldne Sonnen Stral Pflegt Pfeilgeschwind zu streichen,

So hat GOTT seiner Allmacht mahl Den Menschen wollen zeichen. Er heisst mit Fug der Erst und Letzt, Der uns so Tags, so Nachts ergötzt

Als Wercke seiner Hände. Gott ist gewesen vor der Zeit, Und für ihm bleibets stetig Heut Ohn Anfang und ohn Ende.

Gott wohnt in einem hellen Liecht, Das kein Mensch mag erkennen: So kan niemand bedencken nicht, Was Ewigkeit zu nennen;

Dann ihre Zahl ist mehr dann viel Und ist ein Wesen sonder Ziel, Ein Abgrund ohn ergründen, Der Gleichnisweis ist eine Nacht,

Die Sinn und Augen finster macht Und sich nicht lässt erfinden. Von Ewigkeit zu Ewigkeit Ist GOTT der HERR gewesen,

Der uns vor aller Zeiten Zeit Zum Leben auserlesen, Wenn wir nicht selbst durch Sünd und Schand, Verlierend solchen Engel Stand,

Der Höllen Tod erwehlen Und in des Hertzes letztem Bruch Den Segen wandlen in den Fluch Zum Schaden unsrer Seelen.

O Ewig, Ewig fort und fort, Wer kan dich doch ausdencken? Du bist ein schweres Donner-Wort Und musst die Sünder kräncken,

Die Ewig leiden alle Qual, Weil sie versaumt die Gnaden-Wahl Auf dieses Lebens Schwelle. Wir bitten dich, HERR Jesu Christ,

Der du uns Ewig gnädig bist: Behüt uns für der Hölle!

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