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1632

Abend- oder Nachtgesang

Georg Philipp Harsdörffer

Nun ist bestellt der Sternen Wacht, Der schnelle Tag ist hingebracht, Wir gehen jetzt zu Bette: Die Arbeit heischet Ruh und Rast,

Wir werffen ab die Sorgenlast Und schlaffen in die Wette, Daß sich Ruhig

Unsre Glieder Frischen wieder Und verstärken, Welche Morgens munter werken.

Die Finsterniß schwebt hie und dort, Die Welt ist ein gantz blinder Ort Ohn Gottes Gnadenwonne: Sie bildet uns den falschen Wahn,

Der nicht erleuchtet werden kan Als durch deß Glaubens Sonne, Die schafft Viel Krafft

Und uns übet, Bringt und giebet Durch viel Schmertzen Gottes Geist in unsre Hertzen.

Wir wissen, daß deß Tagesliecht Zu Morgens wiederum anbricht, So jetzt das Meer bedecket: Wer wolte dann vertrauen nicht,

Daß uns das grosse Heydenliecht Von Todten auferwecket? Gemein Muß seyn

Täglich schaffen, Nächtlich schlaffen, Zu bedenken, Wie uns Schlaff und Tod beschrenken.

Erhalt, O Hüter Israel, Jetzt und auch künfftig meine Seel' In deinen Schutz ergeben; Schaff, daß ich ruhe diese Nacht,

Beschirmet von der Engelwacht, Die ob den deinen schweben. Auf dich Trau ich:

Laß mein Sinnen Und Beginnen Deinen Willen Jetzt und allezeit erfüllen.

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