Georg Friedrich Philipp von Hardenberg
Das furchtbar zu den frohen Tischen trat Und das Gemüth in wilde Schrecken hüllte. Hier wußten selbst die Götter keinen Rath Der die beklommne Brust mit Trost erfüllte.
Geheimnißvoll war dieses Unholds Pfad Des Wuth kein Flehn und keine Gabe stillte; Es war der Tod, der dieses Lustgelag Mit Angst und Schmerz und Thränen unterbrach.
Auf ewig nun von allem abgeschieden, Was hier das Herz in süßer Wollust regt, Getrennt von den Geliebten, die hienieden Vergebne Sehnsucht, langes Weh bewegt,
Schien matter Traum dem Todten nur beschieden, Ohnmächtiges Ringen nur ihm auferlegt. Zerbrochen war die Woge des Genusses Am Felsen des unendlichen Verdrusses.
Mit kühnem Geist und hoher Sinnenglut Verschönte sich der Mensch die grause Larve, Ein sanfter Jüngling löscht das Licht und ruht – Sanft wird das Ende, wie ein Wehn der Harfe.
Erinnerung schmilzt in kühler Schattenflut, So sang das Lied dem traurigen Bedarfe. Doch unenträthselt blieb die ewge Nacht, Das ernste Zeichen einer fernen Macht.
Der Jüngling bist du, der seit langer Zeit Auf unsern Gräbern steht in tiefen Sinnen; Ein tröstlich Zeichen in der Dunkelheit – Der höhern Menschheit freudiges Beginnen.
Was uns gesenkt in tiefe Traurigkeit Zieht uns mit süßer Sehnsucht nun von hinnen. Im Tode ward das ewge Leben kund, Du bist der Tod und machst uns erst gesund.
Gehoben ist der Stein – Die Menschheit ist erstanden – Wir alle bleiben dein Und fühlen keine Banden.
Der herbste Kummer fleucht Vor deiner goldnen Schaale, Wenn Erd und Leben weicht Im letzten Abendmahle.
Zur Hochzeit ruft der Tod – Die Lampen brennen helle – Die Jungfraun sind zur Stelle – Um Oel ist keine Noth –
Erklänge doch die Ferne Von deinem Zuge schon, Und ruften uns die Sterne Mit Menschenzung' und Ton.
Nach dir, Maria, heben Schon tausend Herzen sich. In diesem Schattenleben Verlangten sie nur dich.
Sie hoffen zu genesen Mit ahndungsvoller Lust – Drückst du sie, heilges Wesen, An deine treue Brust.
So manche, die sich glühend In bittrer Qual verzehrt Und dieser Welt entfliehend Nach dir sich hingekehrt;
Die hülfreich uns erschienen In mancher Noth und Pein – Wir kommen nun zu ihnen Um ewig da zu seyn.
Nun weint an keinem Grabe, Für Schmerz, wer liebend glaubt, Der Liebe süße Habe Wird keinem nicht geraubt –
Die Sehnsucht ihm zu lindern, Begeistert ihn die Nacht – Von treuen Himmelskindern Wird ihm sein Herz bewacht.
Getrost, das Leben schreitet Zum ewgen Leben hin; Von innrer Glut geweitet Verklärt sich unser Sinn.
Die Sternwelt wird zerfließen Zum goldnen Lebenswein, Wir werden sie genießen Und lichte Sterne seyn.
Die Lieb' ist frey gegeben, Und keine Trennung mehr. Es wogt das volle Leben Wie ein unendlich Meer.
Nur Eine Nacht der Wonne – Ein ewiges Gedicht – Und unser aller Sonne Ist Gottes Angesicht.
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