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1708–1754

XiX. Die Vergötterung. An Phyllis.

Friedrich von Hagedorn

Holde Phyllis, die Göttinnen (Traue mir die Wahrheit zu) Waren anfangs Schäferinnen Oder Mädchen, so wie du. Eine, die mit blauen Augen

Mehr als Männer-Witz verband, Konnte zur Minerva taugen Und erwarb den Götter-Stand. Dichterinnen hiessen Musen

Und entzückten Herz und Ohr. Reiffer Schönen volle Busen Bildete die Ceres vor. Die durch Jugend uns ergetzte

Schien, mit Recht, des Tempels wehrt, Den man ihr, als Heben, setzte, Die der stärkste Held verehrt. Eine ward, in spröder Blässe

Und in strenger Häuslichkeit, Hüterinn der Feuer-Esse Und die Vesta jener Zeit. Die durch Reitz und Unglücks-Fälle

Sich den Raub der Grobheit sah Ward in ihres Ehstands Hölle Kläglich zur Proserpina. Majestätische Geberden,

Hoheit, die sich nie vergaß, Liessen die zur Juno werden, Die so grossen Geist besaß. Krone, Scepter, Wolken, Pfauen

Musten ihren Muth erhöhn; Zum Exempel aller Frauen, Die das Regiment verstehn. Jhr so wohlgepaarten Beyde:

Schönheit und Empfindlichkeit! Und auch du, o süsse Freude! Mund, der lächelnd Lust gebeut; Rosen aufgeblühter Wangen;

Schlaue Blicke; lockigt Haar! Jhr nur stellet dem Verlangen Venus oder Phyllis dar. Phyllis! ja: in jenen Zeiten,

In der alten Götter-Welt, Wären deinen Trefflichkeiten Gleichfalls Opfer angestellt: Gleichfalls würden deinen Wagen

Tauben oder Schwäne ziehn, Dich die Liebes-Götter tragen Und mit dir nach Paphos fliehn.

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