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1708–1754

XiV . Die Land-Lust.

Friedrich von Hagedorn

Geschäfte, Zwang und Grillen, Entweiht nicht diese Trift: Ich finde hier im Stillen Des Unmuths Gegengift.

Jhr Schwätzer, die ich meide, Vergeßt mir nachzuziehn: Verfehlt den Sitz der Freude, Verfehlt der Felder Grün.

Es webet, wallt und spielet Das Laub um jeden Strauch, Und jede Staude fühlet Des lauen Zephyrs Hauch.

Was mir vor Augen schwebet, Gefällt und hüpft und singt; Und alles, alles lebet, Und alles scheint verjüngt.

Jhr Thäler und ihr Höhen, Die Lust und Sommer schmückt! Euch, ungestört, zu sehen Ist was mein Herz erquickt.

Die Reitzung freyer Felder Beschämt der Gärten Pracht, Und in die offnen Wälder Wird ohne Zwang gelacht.

Die Saat ist aufgeschossen Und reitzt der Schnitter Hand. Die blättervollen Sprossen Beschatten Berg und Land.

Die Vögel, die wir hören, Geniessen ihrer Zeit: Nichts tönt in ihren Chören, Als Scherz und Zärtlichkeit.

Wie thront auf Moß und Rasen Der Hirt in sanfter Ruh! Er sieht die Herde grasen Und spielt ein Lied dazu.

Sein muntres Lied ergetzet Und scheut die Kenner nicht; Gefälligkeit ersetzet Was ihm an Kunst gebricht.

Aus Dorf und Büschen dringet Der Jugend Kern hervor, Und tanzt und stimmt und singet Nach seinem Haber-Roh.

Den Reihen-Tanz vollenden Die Hirten auf der Hut, Mit treu-vereinten Händen, Mit Sprüngen voller Muth.

Wie manche frische Dirne Schminkt sich aus jenem Bach Und gibt an Brust und Stirne Doch nicht den Schönsten nach.

Gesundheit und Vergnügen Belebt ihr Aug und Herz, Und reitzt in ihren Zügen, Und lacht in ihrem Scherz.

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