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1708–1754

Xi . Der May.

Friedrich von Hagedorn

Der Nachtigall reizende Lieder Ertönen und locken schon wieder Die fröhlichsten Stunden ins Jahr. Nun singet die steigende Lerche,

Nun klappern die reisenden Störche, Nun schwatzet der gaukelnde Staar. Wie munter sind Schäfer und Herde! Wie lieblich beblümt sich die Erde!

Wie lebhaft ist itzo die Welt! Die Tauben verdoppeln die Küsse, Der Entrich besuchet die Flüsse, Der lustige Sperling sein Feld.

Wie gleichet doch Zephyr der Floren! Sie haben sich weislich erkohren, Sie wählen den Wechsel zur Pflicht. Er flattert um Sprossen und Garben;

Sie liebet unzählige Farben; Und Eifersucht trennet sie nicht. Nun heben sich Binsen und Keime, Nun kleiden die Blätter die Bäume,

Nun schwindet des Winters Gestalt; Nun rauschen lebendige Quellen Und tränken mit spielenden Wellen Die Triften, den Anger, den Wald.

Wie buhlerisch, wie so gelinde Erwärmen die westlichen Winde Das Ufer, den Hügel, die Gruft! Die jugendlich scherzende Liebe

Empfindet die Reizung der Triebe, Empfindet die schmeichelnde Luft. Nun stellt sich die Dorfschaft in Reihen, Nun rufen euch eure Schallmeyen,

Jhr stampfenden Tänzer, hervor. Jhr springet auf grünender Wiese, Der Bauerknecht hebet die Liese, In hurtiger Wendung, empor.

Nicht fröhlicher, weidlicher, kühner Schwang vormals der braune Sabiner Mit männlicher Freyheit den Hut. O reizet die Städte zum Neide,

Jhr Dörfer voll hüpfender Freude! Was gleichet dem Land-Volk an Muth?

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