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1731

Vergleichung

Friedrich von Hagedorn

Wie edel ist ein Herz, das reich an steter Liebe, Zum Wohlthun lebhaft ist, aus unerlerntem Triebe! So wirkt ein lautrer Bach, der durch zwo Wiesen schleicht, Nicht heftig schwillt, noch rauscht: dem nie die Kraft entweicht,

Die Ufer fruchtbar macht: an dem, bei jedem Lenzen, Mit Blumen, die er nährt, die Hirten sich umkränzen. Ein kleines Herz voll Stolz, die Werkstatt schlauer Kunst, Wird tugendhaft und mild, aus Eigennutz der Gunst.

Ein Fürst, der, eh' er gibt, zehn Zweifel überwindet, Bis daß sein Kanzler ihm den Ton zum Jawort findet, Ahmt einem Springbrunn nach. Die Kunst macht die Natur Verschwendrisch, wo sie kargt; jedoch zu Zeiten nur.

Er wird, so wie ein Sturm, uns Wunderkräfte zeigen. Seht seinen starken Strahl bis an die Wolken steigen! Als unerschöpflich eilt des Wassers Schatz empor, Und prangt in heller Luft: der Schall betäubt das Ohr:

Das Auge weidet sich an Farben und an Bildern: Kein Maler, kein Poet kann ihren Wechsel schildern. Ein Rad, ein Triebwerk stockt: Gleich fließt sein Schatz nicht mehr. Dem Bach ist Titus gleich; dem Springbrunn ein Tiber.

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