Mein Mädchen mit dem schwarzen Haare
Vollendet heute sechszehn Jahre,
Und ich nur achtzehn: Welch ein Glück!
Die Sehnsucht weckt uns jeden Morgen
Und die Unwissenheit der Sorgen
Versüßt uns jeden Augenblick.
Wir wachsen und, mit uns, die Triebe:
Denn unsrer Jugend gönnt die Liebe
Viel Unschuld; aber nicht zu viel.
Verstand kömmt freylich nicht vor Jahren;
Allein, was wir bereits erfahren
Ist gleichwohl auch kein Kinder-Spiel.
Der Liebreitz, der uns früh verbunden,
Beschäfftigt unsre frohen Stunden,
Und bringt dich wieder, güldne Zeit!
Zwar lehren wir und lernen beyde;
Doch unsre Wissenschaft ist Freude
Und unfre Kunst Gesälligkeit.
Ich will die besten Blumen pflücken,
Euch, Wunder der Natur, zu schmücken:
Dich, freyes Haar! dich, schöne Brust!
Wir wollen, diesen Tag zu feyern,
Den allerschönsten Bund erneuern,
Den Bund der Jugend und der Lust.
Dann soll ein Bad in sichern Flüssen,
Auf dieses Bad ein frisches Küssen,
Auf frische Küsse frischer Wein;
Auf Wein ein Tanz, bey Spiel und Liedern,
Mit regen Schwestern, muntern Brüdern:
Das alles soll mich heut erfreun.
So fröhlich soll der Tag verstreichen!
Jhm soll kein Tag an Freude gleichen.
Nichts übertreff’ ihn, als die Nacht!
Die Zeit erwünschter Finsternisse,
Die wacher Schönen stille Küsse
Den Müttern unerforschlich macht.