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1708–1754

IiI. Die Alte.

Friedrich von Hagedorn

Zu meiner Zeit Bestand noch Recht und Billigkeit. Da wurden auch aus Kindern Leute; Da wurden auch aus Jungfern Bräute:

Doch alles mit Bescheidenheit. Es ward kein Liebling zum Verräther, Und unsre Jungfern freyten später: Sie reitzten nicht der Mütter Neid.

O gute Zeit! Zu meiner Zeit Befliß man sich der Heimlichkeit. Genoß der Jüngling ein Vergnügen,

So war er dankbar und verschwiegen: Und itzt entdeckt ers ungescheut. Die Regung mütterlicher Triebe, Der Fürwitz und der Geist der Liebe

Fährt oftmals schon ins Flügel-Kleid. O schlimme Zeit! Zu meiner Zeit Ward Pflicht und Ordnung nicht entweiht.

Der Mann ward, wie es sich gebühret, Von einer lieben Frau regieret, Trotz seiner stolzen Männlichkeit! Die Fromme herrschte nur gelinder:

Uns blieb der Hut und ihm die Kinder. Das war die Mode weit und breit. O gute Zeit! Zu meiner Zeit

War noch in Ehen Einigkeit. Jtzt darf der Mann uns fast gebieten, Uns widersprechen und uns hüten, Wo man mit Freunden sich erfreut.

Mit dieser Neuerung im Lande, Mit diesem Fluch im Ehestande Hat ein Comet uns längst bedräut. O schlimme Zeit!

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